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>>> Wie ist das RAA aufgebaut und welchen Umfang hat es?
>>> Wie hat sich das RAA entwickelt?

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>>> Was sind Stammbücher?
>>> Wie sehen Stammbucheinträge aus?
>>> Wo kann ich näheres erfahren?
>>> Wo findet man Stammbücher?
>>> Wer interessiert sich für Stammbücher?

 

 

Was will das RAA – Repertorium Alborum Amicorum?

  • Das RAA stellt das zentrale Findmittel für Stammbücher in öffentlichen Bibliotheken, Archiven und Museen dar. Es weist die besitzende Institution nach und gibt die Signatur des entsprechenden Stammbuchs an.
  • Das RAA erfaßt auch Alben in Privatbesitz, sofern sie in einschlägigen Publikationen behandelt oder der Redaktion gemeldet worden sind.
  • Das RAA liefert in der Stammbuch-Datenbank bibliographische Verweise auf einschlägige Handschriftenkataloge oder sonstige Literatur, die nähere Beschreibungen und unter Umständen auch weitere Literaturverweise bieten. Eine eingehende inhaltliche Erschließung oder genaue Charakterisierung der Alben ist an dieser Stelle nicht beabsichtigt. Die Nennungen sollen in erster Linie auf eingehendere Informationsquellen verweisen, ersetzen also in keinem Fall den Rückgriff auf die genannten Nachweise in der Sekundärliteratur. In Fällen, in denen eine Detailauflistung der Inskriptionen abrufbar ist, wird auf die Eintrags-Datenbank des RAA oder auf andere frei zugängliche elektronische Ressourcen verwiesen.
  • Das RAA bietet in der Eintrags-Datenbank Detailauflistungen ausgewählter Stammbücher. So wird auch die Recherche z.B. nach einzelnen Einträgern, zitierten Autoren, Bildmotiven oder künstlerischen Techniken ermöglicht. Die Aufnahmen beruhen dabei im allgemeinen auf Arbeiten der Sekundärliteratur, die ausgewertet und für die elektronische Suche strukturiert wurden. Für detailliertere Informationen ist der Rückgriff auf die angegebenen Quellen unverzichtbar.
  • Das RAA soll die Zugänglichkeit von Stammbüchern für die interessierten Disziplinen erleichtern und eine verstärkte Nutzung der Autographengattung als Quelle für verschiedenste Fragestellungen fördern.
  • Das RAA kann durch seinen auch bibliographischen Charakter in bestimmten Fällen helfen, die Einsichtnahme in die wertvollen Unikate vor Ort zu vermeiden. Es trägt damit auch den konservatorischen Verpflichtungen der bewahrenden Bibliotheken und Archive Rechnung.

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Wie ist das RAA aufgebaut und welchen Umfang hat es?

Das RAA weist derzeit folgende Struktur auf:

  • Stammbuchdatenbank: Basisdaten zu über 24.000 Alben in öffentlichem und privatem Besitz sowie im Auktions- und Antiquariatshandel; dazu circa 45.000 Verweise auf weiterführende Literatur sowie auf Digitalisate im Internet.
  • Eintragsdatenbank: Detailerschließung von über 227.000 Einzelinskriptionen aus weit über 3000 Alben.
  • Literaturverzeichnis: Bibliographie von über 2500 Büchern und Aufsätzen, die für das RAA bisher autopsiert und ausgewertet wurden.
  • Bibliotheksverzeichnis: Aufstellung der 783 Bibliotheken, Archive und Museen in 26 europäischen und überseeischen Ländern, aus denen Stammbücher erfaßt sind.

Die beiden Datenbanken verfügen jeweils über eine Suchmaschine, die differenzierte Abfragen ermöglicht. Nähere Hinweise sind den "Suchhinweisen" zu entnehmen.

 

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Wie hat sich das RAA entwickelt?

Das RAA wurde 1998 als bibliographische Liste ins Leben gerufen, die mittels einer integrierten Suchmaschine durchforstet werden konnte. Recherchierbar waren Basisdaten und Standorte von Stammbüchern mit den zugehörigen Literaturnachweisen.

  • Version 1 vom März 1998: ca. 3.000 Datensätze
  • Version 2 vom Mai 1998: ca. 4.300 Datensätze
  • Version 3 vom Mai 1999: ca. 7.300 Datensätze
  • Version 4 vom November 2000: ca. 8.800 Datensätze
  • Version 5 vom Februar 2002: ca. 12.000 Datensätze
  • Version 6 vom November 2003: ca. 13.000 Datensätze
  • Version 7 vom Januar 2006: ca. 14.000 Datensätze

Im Herbst 2006 konnte mit freundlicher Hilfe des Erlanger Rechenzentrums (RRZE) erstmals eine komfortablere Suchoberfläche in Betrieb genommen werden, die auf Datenbankbasis differenzierte Abfragen ermöglichte.

  • Version 8 vom September 2006 / Mai 2008: zuletzt ca. 18.300 Datensätze

Seit Mitte 2008 ist - nach längerem Vorlauf - die Recherche sowohl nach Alben (als Medieneinheiten) wie nach Einträgen (Einzelnotaten) möglich. Die aufwendigen Vorarbeiten wurden durch das freundliche Entgegenkommen des RRZE, durch eine dankenswerte Anschubfinanzierung aus Mitteln der Dr. German-Schweiger-Spende (Erlangen) und tatkräftige Mithilfe studentischer Hilfskräfte sowie externer Mitarbeiter bewältigt. Übernommen werden konnten und können außerdem umfangreiche Datenbestände privater und institutioneller Provenienz, die für die Verwendung im RAA konvertiert und angepaßt werden. Im April 2016 konnte durch verschiedene Änderungen im 'Hintergrund' eine komfortablere Suchoberfläche implementiert und die Recherchegeschwindigkeit erhöht werden.

  • Version 9 vom Juni 2008 / März 2016: zuletzt gut 220.000 Stammbuch- und Eintrags-Datensätze.
  • Version 10 seit April 2016: derzeit ca. 251.000 Stammbuch- und Eintrags-Datensätze.

 

 

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Was sind Stammbücher?


Stammbücher (Alba Amicorum) sind buchförmige Sammelmedien, in denen Stammbuchhalter handschriftliche Einträge befreundeter oder bekannter Personen gesammelt haben. Diese Einträge, die nicht selten bebildert sind, folgen bestimmten Strukturmustern (siehe unten).

  • Form: Stammbücher weisen in aller Regel Buchform auf oder imitieren sie. Basis sind entweder Drucke mit vor- und nachgebundenen leeren Lagen, mit Leerblättern durchschossene Druckwerke, Blankalben oder Loseblattsammlungen mit weißen oder bedruckten Blättern in buchförmigen Kassetten. Während in der Frühzeit auch größerformatige Alben vorkommen, hat man bis ins 19. Jahrhundert überwiegend kleine Formate (Oktav, Queroktav, Sedez) bevorzugt.
  • Umfang: Stammbücher können zwischen einigen wenigen und mehreren hundert Einträgen umfassen. Sie werden gelegentlich durch (meist unzuverlässige) handschriftliche Indices erschlossen.
  • Halter: Die überwiegende Mehrzahl der Albumhalter bis um 1800 stammt aus dem akademisch-universitären Milieu. Studenten legten sich Stammbücher bei Antritt ihres Studiums zu, führten sie auf ihren oft weiten Bildungsreisen mit und beendeten die Sammeltätigkeit oft nicht sehr lang nach ihrer beruflichen Etablierung. Auch in gesetzterem Alter wurden aber immer wieder Alben geführt, wenn die Halter beruflich oder aus anderen Gründen zu Reisen oder häufigeren Ortswechseln gezwungen waren. Neben der städtischen und höfischen Bildungsschicht und dem Adel lassen sich früh auch immer wieder Stammbücher von Mitgliedern künstlerischer und kunsthandwerklicher Berufe oder von Handelsleuten feststellen; seit Ende des 18. Jahrhunderts griff die Sitte auch auf das Kleinbürgertum und kleinere Ortschaften aus.
  • Einträger: Um Einträge wurden traditionell Höhergestellte und Gleichrangige gebeten, mit denen man in lockere Bekanntschaft geraten war. Erst in neuerer Zeit beschränkte sich der Inskribentenkreis in erster Linie auf die Familie des Haltes und engere ‚Freunde’ im emphatischen Sinne.
  • Gebrauchssituationen: Stammbücher wurden oft in Universitätsstädten, in großen Handelsstädten und an Höfen geführt. Sie begleiteten ihre Halter nicht selten auf Reisen quer durch Europa und darüber hinaus. Traditionell galten sie als Mittel, mit den Honoratioren der besuchten Orte ins Gespräch zu kommen. Von namhaften Gelehrten der Frühneuzeit sind deshalb oft zahlreiche Inskriptionen in verschiedenen Alben erhalten. Einträge von Kommilitonen wurden oft kurz vor Verlassen der jeweiligen Universität gesammelt, wobei nicht selten zahlreiche Inskriptionen an einem Tag erbeten und geleistet wurden. Sie dokumentieren punktuelle Bekanntschaftsverbindungen, die sich mitunter, aber nicht zwangsläufig zu Beziehungsnetzwerken intensivieren konnten.
  • Funktionen: Stammbücher wurden der Selbstaussage ihrer Halter zufolge in erster Linie angelegt, um darin ‚Freundschaften’ und Bekanntschaften zu dokumentieren, an die man sich später zurückerinnern wollte. Darüber hinaus dienten sie aber auch der Selbstdarstellung ihrer Besitzer, die mit prominenten Einträgen oder kunstvollen Bildbeigaben prunken, ihre wechselnden Aufenthaltsorte belegen und ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten (intellektuellen, künstlerischen, ‚burschikosen’ o.ä.) Milieu zeigen wollten. In gleicher Weise waren sie für die Einträger ein beliebtes Mittel, Bildung, Status oder vermeintliche charakterliche Dispositionen oder weltanschauliche Überzeugungen in einer Weise festzuhalten, die ihnen erinnerungswürdig schien. Die Inskriptionen dienten in Inhalt und Form also vor allem auch der Steuerung künftiger Memoria im Sinne des Einträgers.
  • Geschichte: Die Stammbuchsitte weist zwei wichtige Traditionslinien auf. Die eine geht auf die Praxis spätmittelalterlicher Gästebücher im adeligen Milieu zurück. Die andere ist in den 1530er Jahren im Umfeld der Wittenberger Reformatoren entstanden. Beide Traditionslinien gingen im 16. und frühen 17. Jahrhundert in der akademisch-humanistischen Stammbuchsitte auf, die sich für gut 200 Jahre dominant erweisen sollte. Im Laufe der Zeit haben verschiedene Milieus, soziale Schichten und Altersgruppen die Sitte aufgegriffen. Späte Ausläufer sind die heutigen ‚Poesiealben’ von Kindern.
  • Abgrenzung: Stammbücher sind nicht zu verwechseln mit Sammlungen von Personenstandsurkunden (‚Familienstammbücher’) oder genealogischen Aufzeichnungen bestimmter Familien (‚Familienbücher’, ‚Geschlechterbücher’), die gelegentlich ebenso bezeichnet werden. Alba Amicorum dienen nicht genealogischen Zwecken, können aber sehr wohl genealogisch und heraldisch aussagekräftiges Material enthalten.

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Wie sehen Stammbucheinträge aus?


Stammbuchinskriptionen sind mehrgliedrige Kurztexte, die nach einem traditionellen Bauschema konstruiert werden. Die wichtigsten Bausteine und enthaltenen Elemente, die z.T. obligatorisch, z.T. fakultativ verwendet werden, sind:

  • Textteil (Sentenzen, Reimsprüche, kurze Gedichte oder kurze Prosa mit spezifischen Themenfeldern; oft Zitate nach kanonisierten oder auch entlegenen Autoritäten),
  • Paratextteil (Adressierung/Motivierung/Charakterisierung des Eintrags, Sprachhandlungsformel, Identifikation des Schreibers, Lokalisierung und Datierung, Symbolum),
  • Beigaben (schriftliche Beigaben wie etwa biographische Memorabilia; Bildbeigaben in verschiedenen künstlerischen Techniken, oft von professionellen Miniaturisten; Notenbeigaben).


Diese Elemente werden bei der Niederschrift nach bestimmten Seitenaufteilungskonventionen festgehalten, die historisch vergleichsweise stabil geblieben sind. Sie machen einen normgerecht strukturierten Stammbucheintrag in den meisten Fällen auch äußerlich von anderen handschriftlichen Textformen unterscheidbar.
Inskriptionen aus dem Adelsmilieu des 16. und frühen 17. Jahrhundert orientieren sich meist an folgendem Schema: => Graphik

Inskriptionen aus dem Bildungsmilieu des 17. bis 19. Jahrhunderts sind dagegen meist nach folgendem Muster aufgebaut: => Graphik

Albuminskriptionen wurden zunächst überwiegend in Latein verfaßt, in bestimmten Milieus war aber früh auch bereits das später dominante Deutsche vertreten. Häufiger finden sich daneben aber auch Einträge in alten und neuen, gelegentlich auch sehr entlegenen Fremdsprachen.

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Wo kann ich näheres erfahren?


Zur Stammbuchforschung existiert mittlerweile eine kaum noch zu überblickende Zahl an Einzelauswertungen, kürzeren und längeren Überblicksdarstellungen, Katalogen und Sammlungen.

Für die genauere Information zu empfehlen sind u.a. folgende Bücher:

  • Werner Wilhelm Schnabel: Das Stammbuch. Konstitution und Geschichte einer textsortenbezogenen Sammelform bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts. Tübingen: Max Niemeyer 2003 (Frühe Neuzeit, 78). – Eingehende Medien-, Textsorten-, Funktions- und Rezeptionsanalyse; Rekonstruktion der Entstehungs- und Frühgeschichte.
  • Werner Taegert: Edler Schatz holden Erinnerns. Bilder in Stammbüchern der Staatsbibliothek Bamberg aus vier Jahrhunderten. Bamberg 1995. – Kurze, aber differenzierte Einführung in Geschichte und Erscheinungsformen des Stammbuchs; reich bebildert.
  • Lotte Kurras: Zu gutem Gedenken. Kulturhistorische Miniaturen aus Stammbüchern des Germanischen Nationalmuseums 1570-1770. München 1987. – Kurze Einführung in die Stammbuchgeschichte; reich bebilderte Typologie von Bilddarstellungen.
  • Gilbert Hess: Literatur im Lebenszusammenhang. Text- und Bedeutungskonstituierung im Stammbuch Herzog Augusts des Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg (1579-1666). Frankfurt/M. u.a. 2002 (Mikrokosmos, 67). – Exemplarische Analyse eines Fürstenstammbuchs.
  • Walther Ludwig: Das Stammbuch als Bestandteil humanistischer Kultur. Das Album des Heinrich Carlhack Hermeling (1587-1592). Göttingen 2006 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Phil.-hist. Klasse, 3. Folge, 274). – Exemplarische Analyse eines Humanistenstammbuchs.

Über 2500 Titel nennt das Literaturverzeichnis des RAA, das mit der Ausweitung der enthaltenen Datenbanken sukzessive ausgebaut wird.

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Wo findet man Stammbücher?


Stammbücher werden in zahlreichen größeren und kleineren Bibliotheken gesammelt, häufig auch in Archiven, Museen oder Museumsbibliotheken. Sie sind nur in Ausnahmefällen über gedruckte oder elektronische Kataloge der Institutionen selbst recherchierbar. Häufig sind sie in (lokal-)historischen Sondersammlungen oder Nachlaßbeständen zu finden, die bislang kaum hinreichend aufgearbeitet werden konnten. Alben in Privatbesitz sind in der Regel nicht öffentlich zugänglich.

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Wer interessiert sich für Stammbücher?


Die Stammbuchforschung seit Jahrzehnten ist ein interdiszipliäres Arbeitsfeld par excellence. Die gebotenen Nachweise richten sich deshalb unter anderem - aber nicht nur - an

  • Bibliographen,
  • Buch- und Bibliothekswissenschaftler,
  • Historiker,
  • Prosopographen,
  • Familienforscher,
  • Heraldiker,
  • Germanisten,
  • Kunstwissenschaftler,
  • Musikwissenschaftler,
  • Paläographen,
  • Bibliothekare,
  • Antiquare,
  • Autographensammler.

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